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	<title>Wien denkt weiter</title>
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	<description>Das Projekt „Wien denkt weiter“ lädt alle Wienerinnen und Wiener dazu ein, ihre Meinung zu Themen der Stadt einzubringen. Aktuelle Fragen werden gemeinsam mit Künstlern und Experten aus der Wissenschaft im Blog und bei regelmäßigen Events beleuchtet.</description>
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		<title>Lueger: &#8220;Wien darf nicht Groß-Jerusalem werden!&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 09:24:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Lueger]]></category>

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		<description><![CDATA[Übrigens wundert mich dieser Vorwurf von Kickl &#38; ÖVP-nahen Bloggern auf Twitter, die jetzt sagen, es müssten zahlreiche weitere Namen aus dem Stadtbild verschwinden.
Denn eben ums Verschwinden geht es nicht. Im Gegenteil. Es soll sichtbar gemacht werden.
Lueger wird nicht aus dem Stadtbild verschwinden, 12 weitere Orte sind ihm zu Ehren gewidmet, vom Baum bis zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Übrigens wundert mich dieser Vorwurf von Kickl &amp; ÖVP-nahen Bloggern auf Twitter, die jetzt sagen, es müssten zahlreiche weitere Namen aus dem Stadtbild verschwinden.</p>
<p>Denn eben ums Verschwinden geht es nicht. Im Gegenteil. Es soll sichtbar gemacht werden.</p>
<p>Lueger wird nicht aus dem Stadtbild verschwinden, 12 weitere Orte sind ihm zu Ehren gewidmet, vom Baum bis zur Brücke und einem prominenten Platz in der City.</p>
<p>Es geht aber – die einzige Feststellung Fleischhackers in seinem kürzlich erschienen Kommentar, die ich unterschreibe – um eine „neue Wirklichkeit“. Oder weniger verfänglich ausgedrückt, um eine differenzierte Sicht auf Geschichte und Persönlichkeiten, um ein sachlich ausgewogenes Bild. Es soll nicht versteckt werden, sondern gerade eben etwas anderes sichtbar gemacht werden.</p>
<p>Lueger war ein verdienstvoller Bürgermeister. Er hat historisches geleistet. Er hatte aber ein zweites Gesicht und spielte mit den Massen ein gefährliches Spiel. Dieses „Verdienst“ wirkt genauso historisch und soll auch gleichermaßen als Warnung im Gedächtnis bleiben.</p>
<p>Darum geht es bei der Umbenennung, eines Ortes, der nicht auf Vorurteil basiert, sondern auf den Werten des Wissens und der Aufklärung.</p>
<p>Luegers kommunalpolitische Großtaten gehen durch die Umbenennung im kollektiven Gedächtnis nicht verloren. Dieses Bild wurde in den vergangenen Jahrzehnten forciert.<br />
Hinzu kommt nun aber – hoffentlich – das stärkere Bewußtsein, dass er, als Erfinder des politischen Antisemitismus in der Moderne, das Klima einer ganzen Gesellschaft, einer ganzen Stadt vergiftete. Dafür soll die Umbenennung ein symbolisches Denkmal sein.</p>
<p>Es ist ein Statement gegen das bislang in gewissen Kreisen vorherrschende augenzwinkernde „Naja, er hat sich eben ein bissl des Antisemitismus bedient“. Lueger war mehr als das. Er warnte: „Wien darf nicht Groß-Jerusalem werden!“ Er schuf gezielt aus rein egoistischen Gründen ein zwieträchtiges Klima in der Politik (erinnert frappant an heute) und wurde von manchem gar als „größter deutscher Bürgermeister“ bezeichnet.</p>
<p>Vielleicht sind eben jene gegen dieses Geschichtsbild, die auch heute noch mit ähnlichen politischen Mitteln liebäugeln.</p>
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		<title>Lueger-Ring: ein Kreis schließt sich</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 09:06:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Lueger]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätsring]]></category>

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		<description><![CDATA[ „Wir in Wien sind Antisemiten, aber zu Mord und Totschlag sind wir gewiss nicht geschaffen. Wenn aber die Juden unser Vaterland bedrohen sollten, dann werden auch wir keine Gnade kennen.” (Wahlkampfrede Luegers am 4. Dezember 1905)
In einer anderen Rede am 13. Februar 1890 erklärte Lueger, dass der Antisemitismus durch die „unersättliche Rachsucht, mit welcher die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> „Wir in Wien sind Antisemiten, aber zu Mord und Totschlag sind wir gewiss nicht geschaffen. Wenn aber die Juden unser Vaterland bedrohen sollten, dann werden auch wir keine Gnade kennen.” (Wahlkampfrede Luegers am 4. Dezember 1905)</p>
<p>In einer anderen Rede am 13. Februar 1890 erklärte Lueger, dass der Antisemitismus durch die „unersättliche Rachsucht, mit welcher die Juden ihre angeblichen oder wirklichen Feinde verfolgen“ (&#8230;) „förmlich eingetrieben“ wird. „Da sind Wölfe, Löwen, Panther, Leoparden, Tiger (…) Menschen gegenüber diesen Raubthieren [sic!] in Menschengestalt.“</p>
<p>Der bekannte Wiener Bürgermeister Karl Lueger, auch genannt „da schene Koarl“ ist seit jeher umstritten wegen seines Antisemitismus.<br />
Nun wird der prominente Abschnitt am Ring, der auch die Addresse der Uni war, umbenannt. Die Änderung von Straßennamen entspricht normalerweise nicht meinem Ansatz, mit dem Erbe der Geschichte umzugehen. Straßennamen dokumentieren die historische Entwicklung einer Stadt und es sollen daher Namen, die in der Geschichte der Stadt eine Rolle gespielt haben, nicht einfach ausgelöscht werden. Denn, die Geschichte Wiens, so dunkel sie auch sein mag, darf nicht in Vergessenheit geraten. Zusatztafeln erfüllen diesen Zweck weitaus besser. Wer seine Vergangenheit vergisst, ist verurteilt sie zu wiederholen.</p>
<p>Im Falle des Lueger-Rings haben wir uns jedoch, auch auf langjährigen Wunsch der Universität und zahlreicher Studenten- und Jugendorganisationen dazu entschieden, eine Ausnahme zu machen.</p>
<p>Erstens, da es bereits einen Platz im Zentrum der Stadt gibt, der ebenfalls nach Lueger benannt ist, und zahlreiche Denkmäler und Gebäude, die die Erinnerung an Lueger im Stadtleben wachhalten (12 insgesamt).</p>
<p>Weiters war die Änderung seit langem Wunsch der Universität anlässlich ihres 650-Jahr-Jubiläums im Jahr 2015. Auch internationale Gelehrte und KünstlerInnen haben sich für die Umbenennung ausgesprochen: Eric Kandel, Eric Pleskow, Ruth Klüger, Carl Djerassi.</p>
<p>Es mutet einfach unpassend an, mit der Uni Wien ausgerechnet den größten Wissensort Österreichs nach einem vorurteilsbeladenen Antisemiten zu benennen. Weiters war Lueger auch noch in konservativ-katholischer Manier überaus wissenschaftsfeindlich. Am 6. allgemeinen Katholikentag 1907 rief er dazu auf die „Universitäten, diese Brutstätten der Religions- und Vaterlandslosigkeit” zu erobern.</p>
<p>Letztlich hatte der zukünftige Universitätsring bereits zahlreiche Namen und spiegelte so die Geschichte wider. Franzensring, ab 1919 Ring des 12. November, ab 1934 Dr.-Karl-Lueger-Ring. Nun schließt sich ein Kreis, der wie ich meine, viel über den symbolischen Umgang der Stadt mit ihrer Geschichte aussagt.</p>
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		<title>Der Kulturinfarkt: Aufregerbuch ohne Visionen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 13:45:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Werner-Lobo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturinfarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Autoren des neuesten Aufregerbuches fühlten sich bereits vor seinem Erscheinen so missverstanden, dass sie sogar mit gerichtlichen Schritten drohten: Weil der Deutsche Kulturrat ihnen fälschlich unterstellt hatte, dass sie die Hälfte der Kulturförderung streichen wollten, verlangten sie einen Widerruf. „Sorry, die Kulturinfarktautoren wollen doch nur die Hälfte der Kultureinrichtungen schließen“, musste die Interessensvertretung deutscher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Autoren des neuesten Aufregerbuches fühlten sich bereits vor seinem Erscheinen so missverstanden, dass sie sogar mit gerichtlichen Schritten drohten: Weil der Deutsche Kulturrat ihnen fälschlich unterstellt hatte, dass sie die Hälfte der Kulturförderung streichen wollten, verlangten sie einen Widerruf. „Sorry, die Kulturinfarktautoren wollen doch nur die Hälfte der Kultureinrichtungen schließen“, musste die Interessensvertretung deutscher Kulturinstitutionen richtigstellen und soll nun 2000 Euro Anwaltskosten berappen. Und das ist nur der geringste Teil der Aufregung um den &#8220;Kulturinfarkt&#8221;. Dabei wissen wir doch, dass sich Infarktgefährdete nicht aufregen sollen!</p>
<p>Einen Infarkt nennt man in der Medizin das Absterben eines Gewebes infolge einer Sauerstoffunterversorgung. Nichtsdestotrotz diagnostizieren die Autoren nicht zuwenig, sondern zuviel Versorgung: „Von allem zu viel und überall das gleiche“ orten sie in der deutschsprachigen Kulturlandschaft. Sie verurteilen staatliche Kulturförderung als konzeptlos und innovationshemmend und schlagen provokant vor, dass man auf die Hälfte aller Theater, Museen, Bibliotheken und Orchester verzichten könnte. Also: Nicht die Hälfte der Subventionen einsparen, sondern umschichten – hin zu innovativeren, individuelleren, aber auch marktgängigeren Projekten.</p>
<p><strong>Falsche Versprechen</strong></p>
<p>Dabei treffen sie mit zahlreichen Punkten ihrer Analyse einen wunden Punkt: In der Tat fehlt es der Kulturpolitik vieler Länder und Kommunen an Konzepten und Visionen. Die allerorten und seit Jahrzehnten von kulturpolitischen Think-tanks ausgespuckte Proklamation „Kultur für alle!“ ist ein leeres Versprechen geblieben, wie die Autoren anhand zahlreicher Beispiele nachweisen: Trotz teilweise zweistelliger Wachstumsraten der öffentlichen Kulturbudgets – zumindest bis zur nun durchschlagenden Wirtschaftskrise – stagniert der Anteil jener, die die öffentlich subventionierten Kulturangebote in Anspruch nehmen auf allerniedrigstem Niveau. „Alle Kulturpolitik dient dazu die Ekstase zu bremsen“, attestieren die Autoren ketzerisch. „Was gefällt, hat verloren“. Auf deutsch: Um sich der herrschenden Kulturelite zugehörig fühlen zu können, muss man langatmige Opern und fade Ausstellungen über sich ergehen lassen. Hat was.</p>
<p><strong>Aufgeblasene Kultur-Tanker</strong></p>
<p>Mit Millionenbeträgen wurden dafür vor allem große Kulturtanker aufgepäppelt, die dank Inflationsanpassung und steigenden Personal- und Pensionskosten immer gefräßiger und dabei gleichzeitig immer träger werden. Kleine, innovative, gesellschaftskritische Initiativen, neue Kulturgenres (etwa im Bereich der digitalen Kunst), migrantische und andere marginalisierte Gruppen müssen sich mit beschämend geringen Förderbeträgen begnügen.</p>
<p>Beschämend sind übrigens auch viele Leitungsgehälter der großen Tanker: so hoch, dass sich die Bezieherinnen und Bezieher sogar schämen ihre Höhe zu verraten. Und überall, von den kleinen bis zu den großen, herrscht das große Jammern. “Das System steht vor dem finanziellen Zusammenbruch“, analysieren die Autoren. Das meiste Geld fließt in verkrustete Infrastrukturen, die meisten Kulturschaffenden und -einrichtungen haben zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel, obwohl, wie die Autoren mit militärischer Metaphorik vermerken, in den letzten Jahren „eine systematische kulturelle Aufrüstung“ stattgefunden habe.</p>
<p>Diese habe lediglich dazu geführt, dass die Kunstproduktion heute „gnadenlos“ angepasst und den Mächtigen dienlich sei: „Wir beklagen die Nähe zu Staat, Macht und Geld“. Statt dem Staat, der vorbei an der Nachfrage der potenziellen Kulturkonsumentinnen und -konsumenten subventioniere (und dem sie deshalb sowas wie Lustfeindlichkeit vorwerfen), würden sie die Kulturförderung lieber den Kräften des Marktes anvertrauen. Als ob die „unsichtbare Hand des Marktes“ nicht die gleiche, abhängig machende Nähe zu Macht und Geld erzeugen würde!</p>
<p><strong>Ein Buch ohne Visionen</strong></p>
<p>Der Ruf nach „mehr privat, weniger Staat“ – und das ausgerechnet jetzt, nach dem katastrophalen Scheitern der neoliberalen Ideologie – ist die große Schwäche des Buches. Die vier Autoren – die im übrigen selbst zum Teil von staatlichen Geldern leben – verzichten leider weitgehend darauf, sich Gedanken über innovative Modelle partizipativer oder demokratischer Finanzierungsmodelle zu machen und setzen stattdessen z.B. auf „Fonds zur Kapitalbeschaffung“, wie sie für die Kreativwirtschaft geeignet sein mögen, aber für widerspenstige, sperrige und ökonomischen Gesetzen nicht gehorchende Formen völlig ungeeignet sind. Best practice Modelle, also praktikable Beispiele innovativer Kulturförderung sucht man in dem Buch leider vergebens.</p>
<p>Statt Kulturpolitik rufen die Autoren nach kompetitiver Kulturindustrie: „Eine Kulturindustrie, welche den Namen verdient, würde sich nach außen öffnen und in Produkten denken, welche sich verkaufen mit Blick auf kulturelle Vielfalt und fremde Kontexte. Sie beschäftigte viele Menschen, sie wäre, da hoch kompetitiv, evolutiv.“ Konkurrenz, Wettbewerb, sich verkaufen. Als ob wir davon nicht schon genug hätten, als ob Kunst und Kultur sich nicht genau gegen diesen Wahnsinn der Ökonomisierung aller Lebensbereiche stellen sollten!</p>
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		<title>Die Hälfte? Das Doppelte!</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 12:46:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturinfarkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Überall ändert sich etwas – Kirchen sperren, Krankenhäuser werden zusammengelegt, „Euro-Krise, Migration, Digitalisierung – die Fliehkräfte sind ungeheuer.“ Mit dieser Feststellung beginnen die vier „Kulturinfarkt“-Autoren ihren Artikel im letztwöchigen „Spiegel“ und folgern daraus nolens volens, es wäre demnach vermessen, zu glauben, in der Kultur „dürfe“ sich nichts ändern.
Spätestens die Thesen des Buches sorgen im Kulturbetrieb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Überall ändert sich etwas – Kirchen sperren, Krankenhäuser werden zusammengelegt, „Euro-Krise, Migration, Digitalisierung – die Fliehkräfte sind ungeheuer.“ Mit dieser Feststellung beginnen die vier „Kulturinfarkt“-Autoren ihren Artikel im letztwöchigen „Spiegel“ und folgern daraus nolens volens, es wäre demnach vermessen, zu glauben, in der Kultur „dürfe“ sich nichts ändern.</p>
<p>Spätestens die Thesen des Buches sorgen im Kulturbetrieb für Aufsehen: Zur Rettung der deutschen Kunst halten die vier Autoren rund die Hälfte der Kultureinrichtungen für verzichtbar. Staatliche Finanzierung der Kultur sei das größte Hindernis für Innovationen im Kulturbetrieb. Es gehe nur noch um das Bewahren einer längst überholten, unflexiblen und unmodernen Struktur. Vom „Fetisch Staatskultur“ ist die Rede.</p>
<p>Jede/r Kunstschaffende und jede/r KulturpolitikerIn wird zustimmen, wenn es darum geht, neuen Ideen nachzugehen, den Blick tabulos schweifen zu lassen und selbst das große Ganze in Frage zu stellen. Mit einem Wort, nach Lösungen zu folgender Frage suchen: Wie schaffen wir in der Kunst Beweglichkeit für Neues?</p>
<p>Nun, wer der öffentlichen Kunstförderung die Hälfte ihrer Mittel streicht, überlässt die Theater, Bibliotheken, Archive damit wohl automatisch dem freien Markt. Und dort gehören sie nicht hin. So wenig wie Schulen, Gesundheit, Sicherheit.</p>
<p>Natürlich, so wenden die Autoren ein, müsste sich die Kunst dann vor dem Publikum selbst beweisen und wäre daher näher am Konsumenten, aus den vorschreibenden Klauen der „Staatskultur“ befreit. (Bemerkung am Rande: Die Vision der Vier mutet – auch wegen ihres Vokabulars – wie Neoliberalismus in der Kunst an: Der freie Markt und seine unsichtbare Hand, würden dann für die „künstlerische Freiheit“ und Innovation schon selbst sorgen&#8230;) Was jedenfalls in so einem Fall passieren würde, das ist ausreichend bekannt aus.</p>
<p>In der New Yorker Oper – wie ich einem heimischen Medium entnehme &#8211; wurde erst vor weniger Wochen Verdis „Simone Boccanegra“ in Starbesetzung kurzfristig abgesagt. Grund: Die Sponsoren und mit ihnen die Zusage von 200.000 Euro fielen aus. Um es wienerisch zu sagen: Ohne Göd, ka Musi.</p>
<p>In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein weiteres Wort strapazieren: „Wer zahlt, schafft an.“ Das werden Mäzene und Unternehmen sein, die dem „freien Kunstmarkt“ sehr bald ihren Stempel aufdrücken und Kunstschaffende langfristig wohl in Richtung Mainstream und Unterhaltungsware befördern.</p>
<p>Jedenfalls: Staatliche Förderung und privates Mäzenatentum paralell schaden nicht. Ein „Rückbau“ (sic!) öffentlicher Förderungen um 50% und damit eine Abhängigkeit der unsichtbaren Hand hätte da ganz andere Folgen&#8230;</p>
<p>Warum also sich nur in der Kultur bescheiden? Banken werden gefördert, der Arbeitsmarkt, das Sozialwesen. Aber das, was von uns tatsächlich übrigbleibt, die Kultur, sollte halbiert werden?<br />
Ich meine: nicht die Hälfte! Das Doppelte brauchen wir!</p>
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		<title>ACTA und die Folgen: Kapitalismus 2.0</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 13:49:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Acta]]></category>

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		<description><![CDATA[In den USA sorgte SOPA (Stop Online Piracy Act) bereits für Aufsehen, dieser Tage demonstrierten auch in Europa Tausende gegen Acta. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) soll das Vorgehen gegen Raubkopierer und Produktpiraterie urheberrechtlich vereinigen. Ziel ist es, geistiges Eigentum, Marken oder Patente schützen.
Auf den ersten Blick scheint eigentlich alles einfach. Die großen Musik- und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den USA sorgte SOPA (Stop Online Piracy Act) bereits für Aufsehen, dieser Tage demonstrierten auch in Europa Tausende gegen Acta. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) soll das Vorgehen gegen Raubkopierer und Produktpiraterie urheberrechtlich vereinigen. Ziel ist es, geistiges Eigentum, Marken oder Patente schützen.</p>
<p>Auf den ersten Blick scheint eigentlich alles einfach. Die großen Musik- und Filmproduzenten auf der einen, die User („the 99 %“?) auf der anderen Seite. Unbestritten auch: Piraterie fügt der Wirtschaft, namentlich den Film- und Musikproduzenten erheblichen Schaden zu. Artikel, Filme, Musik oder Bücher sind leicht zu kopieren und werden auf unzähligen Seiten kostenlos angeboten. Geschätzte acht Milliarden Euro erleiden europäische Unternehmen an Schaden durch Produktfälschungen.</p>
<p>Im Hintergrund geht es also um nichts geringeres, als die Frage nach dem Kapitalismus im digitalen Zeitalter. Dem Geldverdienen dort, wo Eigentum nicht mehr greifbar ist, sondern digital. Durch Acta sollen Geschädigte eine Handhabe bekommen, um mit Polizei und Justiz zusammenarbeiten zu können. Wie Rechteinhaber trotz des Kontrollverlustes mit ihren Werken und dem geistigen Eigentum Geld verdienen können, das ist die brisante Frage.</p>
<p>Und die User? Sie fürchten eine Einschränkung der Freiheit im Internet. Die Verbreitung von Inhalten müsste überwacht werden, eine wohl schwer umsetzbare Prämisse. Weiters müssten diese Überwachungen durch die Internetanbieter, also beispielweise facebook oder Youtube erfolgen, die verantwortlich wären, wenn hochgeladene Dateien, gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen. Sie würden dann Aufgaben übernehmen, die in der „alten“, analogen Welt jedenfalls eindeutig staatliche Aufgaben waren.</p>
<p>Es ist auch ein Verschwimmen von Öffentlichkeit und Privatem zu orten. Eigentum wird hier zugunsten der User „privatisiert“. Bei den Ordnungsaufgaben wird das öffentliche Monopol der Kontrolle hingegen in Richtung der Internetbetreiber „privatisiert“. Wahrlich eine Welt im Paradigmenwechsel.</p>
<p>Nach heftiger und langer Diskussion wandte sich die Regierung von Obama übrigens gegen das SOPA-Gesetz. Verleger Rupert Murdoch warf ihm daraufhin vor, er hege Sympathien für Raubkopierer. Ganz so einfach ist es nicht – das letzte Wort ist noch lang nicht gefallen. Auch in Europa nicht. Hier muss Acta in allen nationalen Parlamenten und im EU-Parlament ratifiziert werden. Diese Abstimmung im EU-Parlament ist für Sommer geplant&#8230; <strong></strong></p>
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		<title>Fragwürdige Rolle für &#8220;Neues Theater&#8221; Budapest</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 14:53:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johanna Franz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Istvan Csurka ist ja erfreulicherweise bereits wieder Legende. Seine unerfreuliche politische Arbeit wird er wohl bis zu seinem Lebensende fortsetzen.
Der bekennende Rechtsextremist György Dörner übernahm gestern jedoch ein subventioniertes Theater in Budapest, einer europäischen Hauptstadt. Der Oberbürgermeister hat im Alleingang diese Entscheidung gefällt &#8211; dies ist ein Tabubruch.
Herr Dörner erklärte, er sei &#8220;national verpflichtet&#8221;, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Istvan Csurka ist ja erfreulicherweise bereits wieder Legende. Seine unerfreuliche politische Arbeit wird er wohl bis zu seinem Lebensende fortsetzen.<br />
Der bekennende Rechtsextremist György Dörner übernahm gestern jedoch ein subventioniertes Theater in Budapest, einer europäischen Hauptstadt. Der Oberbürgermeister hat im Alleingang diese Entscheidung gefällt &#8211; dies ist ein Tabubruch.<br />
Herr Dörner erklärte, er sei &#8220;national verpflichtet&#8221;, wolle mit der &#8220;krankhaften liberalen Hegemonie&#8221; aufräumen und der  &#8220;liberalen Anspruchslosigkeit der Unterhaltungsindustrie den Krieg erklären&#8221;. Vorrang sollen Werke ungarischer Autoren haben. Diese Sätze erwecken Befürchtungen -<br />
Kunst und Rechtsextremismus? Ein Widerspruch in sich!</p>
<p>In unserer heutigen Zeit, in der rechtsradikale Aussprüche immer &#8220;salonfähiger&#8221; werden, Vorurteile immer mehr geschürt werden &#8211; Ängste durch Wirtschaftszusammenbrüche, die vermehrte Arbeitslosigkeit mit sich bringen immer größer werden &#8211; gerade jetzt muss vermehrt das Augenmerk auf Aufklärungsarbeit gelenkt werden. Ob Lehrer, Autoren, Theater mit ihren Künstlern, Kulturämter, Politiker (ein großer Dank an unseren Bundespräsidenten, der sich weigert einen Orden zu verleihen), Chefs von Betrieben, Gewerkschaften &#8211; wir alle müssen an einem Strang ziehen. Wie hieß es doch einmal so schön? &#8220;Wehret den Anfängen!&#8221; Die Anfänge sind nur leider schon wieder längst vorbei!<br />
Im Theater Drachengasse versuchen wir stets den Finger an den Puls der Zeit zu legen, die Leute zum Nachdenken anzuregen. Vermehrt widmen wir uns der Jugendarbeit und Kulturvermittlung, nicht nur, um künftiges Publikum zu bekommen, sondern vor allem um zu versuchen den Jugendlichen Toleranz, Weitsicht und Weltoffenheit zu vermitteln.</p>
<p>Wir haben gestern selbstverständlich das Memorandum verlesen, das auch in Hunderten Theatern in Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Holland, Polen, Tschechien, Finnland, Slowenien, Griechenland und Serbien vor der Vorstellung in der jeweiligen Landessprache verlesen wurde:</p>
<p>Heute ist der 1.Februar 2012. An diesem Tag wurde in Budapest eines der bedeutendsten Theater der Stadt an einen neuen Intendanten übergeben, der seit vielen Jahren öffentlich rechtsradikales Gedankengut vertritt. Er publiziert antisemitische, antiziganistische und rassistische Hetzschriften und leitet ab heute ein subventioniertes Theater einer europäischen Hauptstadt.<br />
Das ist ein Tabubruch.<br />
Wir wollen das nicht zum Anlass nehmen, Steine nach Budapest zu werfen, sondern uns in unserem eigenen Land und in unserer unmittelbaren Umgebung für Toleranz, Vielfalt und Solidarität für die Schwächeren einzusetzen.<br />
Wir sind bestürzt darüber, dass in vielen Europäischen Ländern politische Kräfte wirken, die Hass, Verachtung und Neid zwischen den Menschen schüren. Wir wollen mit unserer Theaterarbeit das Trennende in der Gesellschaft überwinden, Neugierde erwecken und die Sinne für gesellschaftliche Wahrheiten schärfen &#8211; für das gemeinsame Wohl aller Menschen, den Frieden und die Freiheit in Europa. Sind wir Menschen doch alle frei und gleich an Würde und Rechten geboren, sind wir doch alle Bürger einer Welt.<br />
Heute ist der 1.Februar 2012. Begehen wir heute gemeinsam den 1. &#8220;Europäischen Theatertag der Toleranz.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zum Jahresausklang: Dank an die Web-Community – auch für ihre Kulturtechniken</title>
		<link>http://wien-denkt-weiter.at/2011/12/23/zum-jahresausklang-dank-an-die-web-community-%e2%80%93-auch-fur-ihre-kulturtechniken/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 11:43:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Jahresausklang möchte ich auch Online jenen Menschen zum bevorstehenden Fest Alles Gute wünschen, die ich im Internet „kennenlernen“ durfte.
In meinem ersten Jahr auf facebook sind so durchaus spannende Kontakte entstanden. Natürlich auch einige weniger angenehme – eben ganz so wie es auch in der Realität der Fall ist. Entstanden sind auch einige Eindrücke zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Jahresausklang möchte ich auch Online jenen Menschen zum bevorstehenden Fest Alles Gute wünschen, die ich im Internet „kennenlernen“ durfte.</p>
<p>In meinem ersten Jahr auf facebook sind so durchaus spannende Kontakte entstanden. Natürlich auch einige weniger angenehme – eben ganz so wie es auch in der Realität der Fall ist. Entstanden sind auch einige Eindrücke zu diesem faszinierenden Medium, die ich teilen möchte.</p>
<p>Gleich vorweg: Das Internet ist für mich die größte Medienrevolution seit dem Buchdruck. Damals nahm das Lesen seinen Weg als dominierende Kulturtechnik. So vermute ich ebenso, dass das digitale Zeitalter wohl auch eine Reihe neuer Skills und Techniken erfordert und hervorbringt, die den Umgang erleichtern und optimieren.</p>
<p>Zum einen fällt mir da das Thema der Glaubwürdigkeit im Netz ein: Wieviel Wahrheitsgehalt steckt in einem Artikel, wer verbirgt sich hinter der Anonymität einiger Foren, wem ver- und wem misstraue ich im Internet? Wie verbindlich sind Informationen noch, hinter dem oftmaligen Schleier der Anonymität? Webjournalist und Blogger (www.kobuk.at) Helge Fahrnberger bringt es auf den Punkt: „Die Kulturtechnik heisst: Hinterfrage deine Quellen.“</p>
<p>Eine Frage, die wie mir scheint ebenso in vergangenen Zeiten des gedruckten Wortes und der Zeitungen relevant war, die aber nun im Internet von einer weit größeren Anzahl an LeserInnen/UserInnen/KonsumentInnen für selbstverständlich erachtet und täglich beherzigt wird.</p>
<p>„Du lügst wie gedruckt“: Der Volksmund wusste es offenbar schon immer. Die neuen Medien haben diesen Ansatz nicht immer falsifiziert.</p>
<p>Was ja auch eine Art von Demokratisierung darstellt und ins Bild passt. Denn mit den Medientechniken ändert sich auch das darin abgebildete Subjekt: der Mensch.</p>
<p>Und der wurde vom kaiserlichen Untertan zum mündigen Staatsbürger und aktuell zum selbstbewussten „Wutbürger“. Mal sehen was das Netz noch so mit uns anstellt – ich jedenfalls wünsche der Internet-Community Alles Gute und für 2012 den engagierten „Aktivbürger.“</p>
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		<title>Theater bezieht Position!</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 10:21:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>PIMP MY INTEGRATION</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Garage X]]></category>
		<category><![CDATA[Postmigrantische Positionen]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Publikumsdiskussion nach der Aufführung von „Flug.Punkt“ vom Verein Cocon hielt einige spannende Aspekte bereit &#8211; schnell entwickelte sich der Diskurs mit Emel Heinreich, der künstlerischen Leiterin vom Verein Cocon, und ihrem großen Team in Richtung einiger Kernfragen von „Pimp My Integration“:
-  Was soll dieses Postmigrantische? Gibt es ein postmigrantisches Theater?
- Wozu ein postmigrantischer Kulturraum? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Publikumsdiskussion nach der Aufführung von „Flug.Punkt“ vom Verein Cocon hielt einige spannende Aspekte bereit &#8211; schnell entwickelte sich der Diskurs mit Emel Heinreich, der künstlerischen Leiterin vom Verein Cocon, und ihrem großen Team in Richtung einiger Kernfragen von „Pimp My Integration“:</p>
<p><strong>-  Was soll dieses Postmigrantische? Gibt es ein postmigrantisches Theater?</strong></p>
<p><strong>- Wozu ein postmigrantischer Kulturraum? Damit man alle „Ausländer“ zusammentreibt um sie gemeinsam abzuschieben?</strong></p>
<p><strong>- Wie wollen KünstlerInnen wahrgenommen werden? Als MigrantInnen oder als KünstlerInnen? Als Ausnahme oder als Normalfall?</strong></p>
<p><strong>- Ist Shermin Langhoff die Gute oder das Böse?</strong></p>
<p>Nochmals dieses ominöse <strong>Postmigrantische</strong> – „Pimp My Integration“ spricht nicht von „postmigrantischem Theater“ (denn bitte was war „migrantisches Theater“?), sondern von „postmigrantischen Positionen“. Auf der ständigen Suche nach neuen Begriffen, um etwas netter zu machen, kommt jetzt das Postmigrantische – wobei es schon eine Erklärung dafür gibt: Wir leben nach einer erneuten starken Immigrationswelle gemeinsam in einem Land und machen die Gesellschaft aus; also die Gesamtgesellschaft lebt in einem postmigrantischen Zustand. Aber da wir nicht der Illusion erliegen, dass diese neue Bevölkerungszusammensetzung als normal u.v.a. anerkannt wird, führt auch der aktuelle Begriff noch das „Migrantische“ mit, denn nach wie vor wird ständig Menschen vorgehalten, sie sind MigrantInnen – was nur ein schöneres Wort für „Ausländer“ sein soll, also unterm Strich: nicht-zugehörig. (Wer sich selbst als MigrantIn bezeichnet, das ist etwas anderes)</p>
<p>„Aber die bioösterreichischsten Österreicher sind postmigrantisch – da landen wir nämlich bei der Monarchie!“</p>
<p>Das Wichtigste abseits der Begriffe ist, dass Menschen zusammenkommen und ihre Fragen fragen, ihre Anmerkungen machen und miteinander reden, was sehr schön in einem kleinen Kreis bei dieser Publikumsdiskussion funktionierte. Auch über die Wünsche für die gemeinsame Zukunft der KünstlerInnen in der Stadt, denn wir können nicht davon ausgehen, dass alle dasselbe wollen – möchte eigentlich irgendwer diesen <strong>postmigrantischen Kulturraum</strong>? Und was kann der? Welche Auserwählten dürfen da rein? Von wem wird der geleitet? Oder wird er kollektiv geleitet von uns allen? Von wem jetzt? Von allen darstellenden KünstlerInnen in Wien? Und alle anderen Theater schließen? Weil es dann nur mehr 1 postmigrantisches Theater für ganz Wien gibt? – absurd.</p>
<p>Oder soll der postmigrantische Kulturraum als weiterer Ort in Wien eröffnet werden und wie in einen Tiergarten kommen dann alle und schauen rein? Sollen sich nicht stattdessen alle Theater öffnen?</p>
<p>Natürlich könnte so ein Ort Vorteile bieten in einer gemeinsamen politischen Kraft und einer Vernetzung – aber verstärkt das nicht reaktionäre Kräfte, die so gerne „Ausländer“ und „Inländer“ auf getrennten Parkbanken denken?</p>
<p>Denn wie verortet man sich als <strong>KünstlerIn</strong> in dieser Stadt – „mit Migrationshintergrund“. Jetzt steht das Wort doch da! Eben: dauernd bekommt man von außen diesen Migrationshintergrund umgehängt. Er klebt auf meinem Rücken, wie Emel Heinreich sagt. Es wird von ihr erwartet, dass sie bei „meiner Sache“ bleibt, auch von Beamtenseite. Aber sie möchte nicht nur in so einem postmigrantischen Kulturraum arbeiten, sondern überall hingehen können. Es geht nicht darum, immer die Ausnahmen aufzuzählen – die eine Produktion im Volkstheater, die eine Moderatorin beim ORF, einmal arbeitete eine Schauspielerin am Burgtheater – sondern es geht darum, dass es „normal“ wird. Dass die Wirklichkeit mit den diversen Menschen sich ihren Zugang zu allen Institutionen erobert. Eine Zuschauerin antwortete in diesem Sinne: „Ich fühl mich nicht als Migrantin, ich bin von hier, es hört mir.“</p>
<p>Und <strong>Shermin Langhoff</strong>, dauernd schwebt ihr Name über allen Veranstaltungen, was für ein Mythos jetzt schon, sie tritt doch erst 2013 ihren Job in Wien an. Wien lebt von Mythen, nur nicht von den Menschen, die da sind und die Stadt ausmachen – immer das Gleiche.</p>
<p>Zeigt sie uns 2013 endlich wie´s geht? Braucht Wien postmigrantische Aufbauarbeit von einer Berliner TürkIN?</p>
<p>Oder passiert gerade, was so oft passiert: ein Mann aus Berlin oder Paris – also die „guten Ausländer“ – übernimmt ein Festival = normal. Eine Frau und dann auch noch was Türkisches dabei, ruft Angst und Misstrauen hervor. Diese Meinungen werden noch sehr spannend zu beobachten sein.</p>
<p>Eines hat sich wieder einmal gezeigt – das Wichtigste ist, dass Menschen Gelegenheit haben, um zusammenzukommen und sich über die Themen zu verständigen, die ihnen wichtig sind. Ob es für diese Art der <strong>Verständigung und Vernetzung</strong> einen „postmigrantischen Kulturraum“ braucht, wird stark bezweifelt in der Szene, da sich die ganze Stadt als postmigrantisch wahrnehmen könnte.</p>
<p>NB: „Pimp My Integration“ ist eine Projektreihe postmigrantischer Positionen in der Garage X, die von 18. Jänner bis 10. Februar 2012 in Theaterstücken und Diskussionen eine Annäherung an das Thema versucht.</p>
<p><a href="http://www.garage-x.at/" target="_blank">www.garage-x.at</a></p>
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		<title>Wutbürger &amp; Zivilgesellschaft: Ein Paradoxon?</title>
		<link>http://wien-denkt-weiter.at/2011/12/16/wutburger-zivilgesellschaft-ein-paradoxon/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 14:58:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Mailath-Pokorny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Düringer]]></category>
		<category><![CDATA[Wutbürger]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Beitrag zu Düringers Systemkritik
Die Rede eines Wutbürgers vom vergangenen Donnerstag ist nachvollziehbar. Zweifelsohne gab es Zeiten, wo es leichter war, optimistisch zu sein: Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Das Patentrezept dagegen gibt es nicht.
Dennoch passiert in Wien gute Politik. Die Krise der letzten Jahre konnte von der Stadt mit einigem Geschick in Grenzen gehalten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag zu Düringers Systemkritik</p>
<p>Die Rede eines Wutbürgers vom vergangenen Donnerstag ist nachvollziehbar. Zweifelsohne gab es Zeiten, wo es leichter war, optimistisch zu sein: Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Das Patentrezept dagegen gibt es nicht.</p>
<p>Dennoch passiert in Wien gute Politik. Die Krise der letzten Jahre konnte von der Stadt mit einigem Geschick in Grenzen gehalten werden. Erstmals seit 2007 stiegen in der Stadt die Beschäftigungszahlen wieder an und erreichen fast wieder das Niveau vor der Wirtschaftskrise. In den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung gibt es Mehrausgaben. Durch antizyklische Investitionspolitik – vermehrte Ausgaben der öffentlichen Hand in investitionsschwachen Zeiten – konnte der Wegfall privater Investoren kompensiert werden.</p>
<p>Vergessen werden sollte auch nicht, dass vor 90 Jahren eine derartige Krise noch zur Katastrophe führte – heute wird gemeinsam an einer Lösung gearbeitet.</p>
<p>Bei Roland Düringers Kritik, fehlt noch ein Aspekt. Denn gesellschaftlicher Zusammenhang fußt meines Erachtens auf der Dreiecksbeziehung zwischen Politik, Individuum und Medien. Politik liefert Gesetze, sichert Ordnung während die Medien Diskurs organisieren und als „Software“ einer Gemeinschaft fungieren, die sinnstiftend einen gemeinsamen Nenner produzieren. Mehr positive Nachrichten statt Schreckensmeldungen wären hier möglich. Und hervorzuheben, dass rund 80 % der politischen Beschlüsse in Österreich einstimmig geschehen, wäre ebenso möglich. Es gibt auch eine Verantwortung der Medien gegenüber dem Wutbürger.</p>
<p>Zum Modewort „Wutbürger“ selbst: Es hatte im ausgehenden Jahr seine Berechtigung &#8211; für 2012 wünsche ich mir allerdings auch den „Aktivbürger“, den engagierten, politisch interessierten Bürger, der sich Kanäle wahrnimmt, mit der Politik in Kontakt zu treten. Dazu gibt es in der Zivilgesellschaft doch einige Möglichkeiten: neben Vereinen und NGO´s auch in themenspezifischen Initiativen innerhalb der Parteien (ja, da ist auch von Partei-Mitgliedschaft noch keine Rede!) oder Internetforen wie „Wien denkt weiter“.</p>
<p>Jedenfalls zeigt die Debatte aber auch: Es braucht Kunst und Kultur! Künstler sind so etwas wie das Frühwarnsystem einer Gesellschaft, Sie sind Bürger, die Themen auf die ihnen eigene Art ansprechen und allzu oft in der Geschichte durch ihre Anstöße Veränderung erwirkt haben.</p>
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		<title>Du und ich, das sind Wir</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 17:35:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>PIMP MY INTEGRATION</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Pimp my Integration]]></category>

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		<description><![CDATA[Du und ich, das sind Wir
Abbildung postmigrantischer Identitäten in der österreichischen Kultur und Gesellschaft: So komplex der Untertitel zur Podiumsdiskussion „Wer ist wir?“ klang, umso erfrischender waren die Antworten der Gäste auf die erste Frage nach dem jeweiligen individuellen „Wir“.
Es war eine lebendige Diskussion bei der neben dem Religionspädagogen Ednan Aslan die Kultur und Sozialanthropologin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Du und ich, das sind Wir</strong></p>
<p>Abbildung postmigrantischer Identitäten in der österreichischen Kultur und Gesellschaft: So komplex der Untertitel zur Podiumsdiskussion „Wer ist wir?“ klang, umso erfrischender waren die Antworten der Gäste auf die erste Frage nach dem jeweiligen individuellen „Wir“.</p>
<p>Es war eine lebendige Diskussion bei der neben dem <em>Religionspädagoge</em>n Ednan Aslan die Kultur und Sozialanthropologin Sabine Strasser, der Migrationsforscher Erol Yıldız, die Journalistin Olivera Stajić (dasstandard.at) sowie der Generaldirektor der RLB NÖ-Wien Georg Kraft-Kinz geladen, um unter der Leitung von Hikmet Kayahan über die Konstrukte „Wir“ und „Ihr“ zu diskutieren.</p>
<p>Für den Kölner Bildungswissenschafter Erol Yıldız, der seit 2008 an der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität lehrt, ist die Frage nach dem &#8220;Wir&#8221; eine ausschließlich westeuropäische Frage, ja eine Luxusdebatte. Stajić hegt eine große Abwehr gegen ein fixes &#8220;Wir&#8221;. Das bringe nur Schwierigkeiten mit sich, sei es doch eng mit Konzepten wie Nation, Herkunft und Religion verknüpft. Ednan Aslan weist auf die Vielfältigkeit der „Wirs“ in verschiedenen Lebenssituationen hin. Zu manchen davon werde er verpflichtet, etwa „Türke“ oder „Moslem“, andere wähle er selber.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Geschichte neu schreiben</strong></p>
<p>Postmigrantisches Theater, postmigrantische Kulturarbeit oder wie sich die Projektreihe von <strong>Garage X</strong> und <strong>daskunst</strong> nennt: Postmigrantische Positionen. Der Begriff hat seit einigen Jahren vor allem in Deutschland Hochkonjunktur. Aber was bedeutet postmigrantisch? Erol Yıldız, der diesen Begriff im wissenschaftlichen Kontext geprägt hat, versteht darunter zunächst eine veränderte Perspektive auf die vorherrschende Geschichtsschreibung. Das Potential postmigrantischer Positionen liege etwa im Neuerzählen von der Geschichte der &#8220;Gastarbeit&#8221;, das mit Mythen aufräumt und bisher unbekannte Aspekte beleuchtet. Postmigrantisch beziehe sich aber auch auf die Bezeichnung der sogenannten Zweiten und Dritten Generation, die – obwohl oft selbst ohne Migrationserfahrung – im öffentlichen Diskurs zum „Migranten“ gemacht werden. Es handelt sich also um eine Zuschreibung von außen – die Betroffene dennoch zwangsweise verbindet.</p>
<p><strong><em>Den</em> Islam gibt es nicht</strong></p>
<p>Die Diskussion um &#8220;Wir&#8221;-Konstruktionen ist nicht nur in Österreich eng verknüpft mit Grenzziehungen gegenüber dem Islam bzw. muslimischen Gesellschaftsgruppen, im Volksmund „die Parallelgesellschaft“.</p>
<p>Die immer wieder konstatierte Isolation sei jedoch nicht über Nacht entstanden, so Ednan Aslan, sondern sei eine Notlösung aufgrund der 50jährigen Ignoranz von Seiten der Mehrheitsgesellschaft gewesen.</p>
<p>Es gäbe aber weder <em>den</em> Islam, noch die muslimische Einheit. Auch in Wien nicht. So würden lediglich 15 Prozent der österreichischen Muslime die Religion praktizieren. &#8220;Eine Religion wird aus dem Kontext heraus geprägt, daher ist auch ein europäischer Islam möglich.&#8221; Es sei gefährlich für Muslime in Europa, wenn sie diese Prägung nicht selbst gestalten, sondern zu ihr verpflichtet werden würden. Zudem betont Aslan selbstreflexiv, dass er selbst seine Religion täglich neu definieren müsse. Etwa wenn sich junge gläubige Homosexuelle mit Fragen an ihn wenden. Homosexualität und Religion, ein Thema, das auch Aslan „neu betrachten muss“.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Grenzziehungen hier und da</strong></p>
<p>Sabine Strasser weiß vom hartnäckigen Bestand von Grenzziehungen vor allem im ländlichen Raum zu erzählen. Hier grenzen sich MigrantInnen von der Mehrheitsgesellschaft ab, weil sie etwa den teilweise exzessiven Alkoholkonsum der Jugendlichen nicht gutheißen. Und umgekehrt werden sie von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt, weil die muslimischen Jungs nach dem gemeinsamen Fußballspiel nicht mit auf ein Bier gehen. Wichtig sei permanentes Vermitteln als alltägliche Praxis, wie sie von NGOs und der Sozialarbeit geleistet wird.</p>
<p>Förderung des Dialoges ist für Georg Kraft-Kinz ebenso unerlässlich, ja sogar <em>die</em> Lösung. Österreich sei im 20. Jahrhundert von einer Geschichte des &#8220;Wir&#8221;-Scheiterns geprägt gewesen, aus dem resultiere auch ein verklärender Blick auf die Vergangenheit. Dass hinter der Forderung nach mehr Dialog ein wirtschaftlicher Nutzen steckt, unterstreicht der Obmann des 2009 gegründeten Vereins Wirtschaft für Integration: „Der größte wachsende Markt ist der migrantische. Für die Wirtschaft ist es eine Überlebensfrage.“</p>
<p>Am Ende der Veranstaltung kamen neue Fragen auf, was nach einem jüdischen Sprichwort, der beste Ausgang für eine Diskussion ist&#8230;</p>
<p>Fragen, die bei den folgenden Veranstaltungen der Projektreihe sicher wieder behandelt werden: Braucht man den Umweg der speziellen Schublade für MigrantInnen, bevor sie die hegemonialen Räume betreten – ob in den Medien oder in einem postmigrantischen Theater? Oder kann nicht der Schritt Verortung übersprungen und die sofortige Öffnung aller Institutionen vor dem Hintergrund der veränderten Bevölkerungszusammensetzung eingefordert werden?</p>
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