ACTA und die Folgen: Kapitalismus 2.0

In den USA sorgte SOPA (Stop Online Piracy Act) bereits für Aufsehen, dieser Tage demonstrierten auch in Europa Tausende gegen Acta. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) soll das Vorgehen gegen Raubkopierer und Produktpiraterie urheberrechtlich vereinigen. Ziel ist es, geistiges Eigentum, Marken oder Patente schützen.

Auf den ersten Blick scheint eigentlich alles einfach. Die großen Musik- und Filmproduzenten auf der einen, die User („the 99 %“?) auf der anderen Seite. Unbestritten auch: Piraterie fügt der Wirtschaft, namentlich den Film- und Musikproduzenten erheblichen Schaden zu. Artikel, Filme, Musik oder Bücher sind leicht zu kopieren und werden auf unzähligen Seiten kostenlos angeboten. Geschätzte acht Milliarden Euro erleiden europäische Unternehmen an Schaden durch Produktfälschungen.

Im Hintergrund geht es also um nichts geringeres, als die Frage nach dem Kapitalismus im digitalen Zeitalter. Dem Geldverdienen dort, wo Eigentum nicht mehr greifbar ist, sondern digital. Durch Acta sollen Geschädigte eine Handhabe bekommen, um mit Polizei und Justiz zusammenarbeiten zu können. Wie Rechteinhaber trotz des Kontrollverlustes mit ihren Werken und dem geistigen Eigentum Geld verdienen können, das ist die brisante Frage.

Und die User? Sie fürchten eine Einschränkung der Freiheit im Internet. Die Verbreitung von Inhalten müsste überwacht werden, eine wohl schwer umsetzbare Prämisse. Weiters müssten diese Überwachungen durch die Internetanbieter, also beispielweise facebook oder Youtube erfolgen, die verantwortlich wären, wenn hochgeladene Dateien, gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen. Sie würden dann Aufgaben übernehmen, die in der „alten“, analogen Welt jedenfalls eindeutig staatliche Aufgaben waren.

Es ist auch ein Verschwimmen von Öffentlichkeit und Privatem zu orten. Eigentum wird hier zugunsten der User „privatisiert“. Bei den Ordnungsaufgaben wird das öffentliche Monopol der Kontrolle hingegen in Richtung der Internetbetreiber „privatisiert“. Wahrlich eine Welt im Paradigmenwechsel.

Nach heftiger und langer Diskussion wandte sich die Regierung von Obama übrigens gegen das SOPA-Gesetz. Verleger Rupert Murdoch warf ihm daraufhin vor, er hege Sympathien für Raubkopierer. Ganz so einfach ist es nicht – das letzte Wort ist noch lang nicht gefallen. Auch in Europa nicht. Hier muss Acta in allen nationalen Parlamenten und im EU-Parlament ratifiziert werden. Diese Abstimmung im EU-Parlament ist für Sommer geplant…

Richard Metfan
  • 16. Februar 2012
  • 16:44

Es ist eigentlich ganz einfach und logisch. Diebstahl von geistigem Eigentum ist und bleibt Diebstahl – egal wie man es dreht und wendet.
Wenn sich jemand die Arbeit macht, ein Buch zu schreiben, ein Kabarettstück, einen Song steckt er sehr viel Arbeit und Zeit hinein.
Und dann gibt es Leute, die diese Arbeit nicht respektieren und einfach online stellen – ganz super. Wobei ich hier unterscheiden möchte.
Wenn jemand einen Originalfilm, Musikstück was auch immer online stellt, ist das für mich NICHT ok.
Die CD-Einkäufe sind in den letzten Jahren eingebrochen. Künstler verkaufen ca. nur mehr 10% ihrer normalen Verkäufe.
Ich würde gerne die Leute sehen, die das illegalle downloaden befürworten, wenn sie plötzlich nur mehr 10% ihres Gehaltes bekommen würden.

Als damals die Diskussion wegen Napster und Metallica begann habe ich schon laut diskutiert, dass die Band völlig recht hat. Ich habe damals in der Künstlerbranche gearbeitet und hautnah miterlebt, wie unsere Bezahlung weniger und weniger wurde und laufend Leute entlassen wurden.
Es geht nicht um die “bösen” und “reichen” Konzerne.

Es geht um die Künstler da draussen, die jahrelang üben, üben üben und dann z.B. bei Musikern – Instrumente kaufen müssen, die viel Geld investieren müssen (Benzin, Helfer, Studio) usw.

Es ist ja ein Märchen der MEdien, dass Künstler ach so reich sind. Nur weil jemand oft im Fernsehen usw. ist heisst das noch lange nicht, dass er reicht ist. Im Gegenteil. Viele Künstler tauchen nur auf Events auf, weil es dort gratis zum Essen gibt und man Leute trifft, die einen irgendwann mal buchen.

Ich bin absolut GEGEN eine Zensur im Internet. Aber man muss doch fähig sein, klipp und klarre Regeln zu machen.

Du hast eine website, die Original-Filme und Musikstücke anbietet. ABDREHEN!! Aus Schluss Basta.
Wenn eine Band die Rechte an ihren eigenen Songs hat und die gratis verschenken wollen – bitte gerne – bietet ihnen ein Forum.
Wenn jemand einen Song bei einem Konzert filmt und online stellt, sollte das der jeweilige Mensch oder Fima entscheiden, ob das ok ist oder nicht.
Filme aus dem Kino mitschneiden .- nicht erlaubt.
Noch einmal – ich bin gegen jede Art von Zensur, aber als österr. Künstler kämpft man ja eh mit dem Rotz – bitte respektiert unseren Besitz auch wenn er nur geistiger Natur ist. Bitte respektiert, dass wir auch Rechnungen bezahlen müssen und uns ernähren müssen. Wir wollen unseren Kindern auch einen Schikurs bezahlen und auf Urlaub fahren. Genauso wie ihr.
Nur weil man etwas ohne Probleme runterladen kann, heisst das noch lange nicht, das das ok ist.
Ich lade jeden, der mich verurteilt, ein, mal auf Tour mitzukommen, wo derjenige für € 1,20 Stundenlohn 1. einige Stunden mit dem Truck zum Konzertort fährt dann 2. den Truck mit Helfern auslädt dann 3. Ton und Licht aufbaut 4. Soundcheck durchführt 5. schnell was isst (gratis – aber warmes Essen gibt es aus Konstengründen nur mehr alle 3 Tage danach 6. während der Vorstellung kleinere Arbeiten verrichtet und 7. nach der Vorstellung alles abbaut und 8. denn Truck wieder einlädt. VIEL SPASS DABEI!!!!

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Andreas Mailath-Pokorny
  • 13. April 2012
  • 11:27

Kein Zweifel, dass die Einkommenssituation von KünstlerInnen gestärkt werden muss.
Das aktuelle Urheberrecht ist dafür aber jedenfalls kein Garant. Es funktioniert nach dem aus der Soziologie bekannten Matthäus-Prinzip. Die, die haben, bekommen mehr – „Denn wer da hat, dem wird gegeben“: Wer bekannt ist und sich als KünstlerIn einen Namen gemacht hat, profitiert auch von Tantiemen weitaus stärker. Dazu kommen Popularität, Medienauftritte und dadurch wohl wiederum mehr Tantiemen. Und: Nur ganz wenige Künstler können davon leben. Hier braucht es von Grund auf ein neues, gerechteres System. Das aktuelle Urheberrecht ist also mehr ein „Industrieschutzrecht“ und dient weniger dem Schutz der Kreativen.

Und wer das Urheberrecht im Netz durchsetzen will, der bricht wohl, meist ungewollt, auch eine Lanze für die Überwachung der Usernutzung.
Klar ist jedenfalls, dass es für die Künstlerschaft auch eine spürbare stärkere Unterstützung geben sollte, wenn ihre Werke im Netz publiziert werden. Eine mögliche Festplattenabgabe ist ein spannender Gedanke. Doch angesichts der Tatsache, dass weniger auf Festplatten gespeichert wird, sondern mehrheitlich über Cloud-Computing (Externe Server und Dienste wie Youtube etc…) konsumiert wird, träfe die Maßnahme die Falschen. Eine Breitband-Abgabe scheint hier treffender.

Ein zeitgemäßes Urheberrecht müsste die Position der Kreativen gegenüber der Verwertungsindustrie stärken und dafür sorgen, dass die vorhandenen Einnahmen auch den Kreativen zu gute kommen. Also eine Umverteilung der Einnahmen zugunsten der KünstlerInnen.

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