Wutbürger & Zivilgesellschaft: Ein Paradoxon?

Ein Beitrag zu Düringers Systemkritik

Die Rede eines Wutbürgers vom vergangenen Donnerstag ist nachvollziehbar. Zweifelsohne gab es Zeiten, wo es leichter war, optimistisch zu sein: Die wirtschaftliche Lage ist ernst. Das Patentrezept dagegen gibt es nicht.

Dennoch passiert in Wien gute Politik. Die Krise der letzten Jahre konnte von der Stadt mit einigem Geschick in Grenzen gehalten werden. Erstmals seit 2007 stiegen in der Stadt die Beschäftigungszahlen wieder an und erreichen fast wieder das Niveau vor der Wirtschaftskrise. In den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung gibt es Mehrausgaben. Durch antizyklische Investitionspolitik – vermehrte Ausgaben der öffentlichen Hand in investitionsschwachen Zeiten – konnte der Wegfall privater Investoren kompensiert werden.

Vergessen werden sollte auch nicht, dass vor 90 Jahren eine derartige Krise noch zur Katastrophe führte – heute wird gemeinsam an einer Lösung gearbeitet.

Bei Roland Düringers Kritik, fehlt noch ein Aspekt. Denn gesellschaftlicher Zusammenhang fußt meines Erachtens auf der Dreiecksbeziehung zwischen Politik, Individuum und Medien. Politik liefert Gesetze, sichert Ordnung während die Medien Diskurs organisieren und als „Software“ einer Gemeinschaft fungieren, die sinnstiftend einen gemeinsamen Nenner produzieren. Mehr positive Nachrichten statt Schreckensmeldungen wären hier möglich. Und hervorzuheben, dass rund 80 % der politischen Beschlüsse in Österreich einstimmig geschehen, wäre ebenso möglich. Es gibt auch eine Verantwortung der Medien gegenüber dem Wutbürger.

Zum Modewort „Wutbürger“ selbst: Es hatte im ausgehenden Jahr seine Berechtigung – für 2012 wünsche ich mir allerdings auch den „Aktivbürger“, den engagierten, politisch interessierten Bürger, der sich Kanäle wahrnimmt, mit der Politik in Kontakt zu treten. Dazu gibt es in der Zivilgesellschaft doch einige Möglichkeiten: neben Vereinen und NGO´s auch in themenspezifischen Initiativen innerhalb der Parteien (ja, da ist auch von Partei-Mitgliedschaft noch keine Rede!) oder Internetforen wie „Wien denkt weiter“.

Jedenfalls zeigt die Debatte aber auch: Es braucht Kunst und Kultur! Künstler sind so etwas wie das Frühwarnsystem einer Gesellschaft, Sie sind Bürger, die Themen auf die ihnen eigene Art ansprechen und allzu oft in der Geschichte durch ihre Anstöße Veränderung erwirkt haben.

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