Das System lebt! Ein Beitrag zur Krise.
Dieser Tage überschlugen sich die Ereignisse in Griechenland: Krisensitzungen, Einheitsregierung und Debatten um ein weiteres Sarpaket mischten sich mit Befürchtungen, welches Land aus der Euro-Zone wohl als nächstes in ähnliche Kalamitäten geraten würde. Hedge-Fonds spekulieren derzeit überaus eifrig gegen Italien – das nächste Land auf der Anklagebank der Finanzspekulanten.
Mit Unsicherheit zu spekulieren, ist nicht neu. Es wundert nur, warum seit der Krise von Lehman Brothers im September 2008, als alles begann, kaum strukturelle Neuregelungen des Wirtschaftssystems durchgesetzt wurden. Der freieste Markt, war offenbar doch nicht so frei.
Mehr noch: Manager erhalten heute wieder haarsträubende Boni und zur Finanzierung von Rettungspaketen werden Sozialleistungen gekürzt. Es wird versucht, marktwirtschaftliches Versagen der Banken durch Kürzungen der öffentlichen Hand auszugleichen. Colin Crouch, ehemals Berater Tony Blairs und Professor für Governance Management an der Warwick Business School, hegt in seinem neuen Buch[1] eine Vermutung: Das aktuelle Wirtschaftssystem an dem sich auch nach dem Beginn der Krise 2008 nichts geändert hat, basiert auf dem politischen Einfluss von Großkonzernen. In der Debatte geht es meist nur um Staat und Markt – dabei wird die Dimension der Großkonzerne kaum wahrgenommen, obwohl sie wichtige Akteure sind.
Zu Konzernen kommen meiner Ansicht noch Hedge-Fonds dazu wie „Man Group“ (verwaltetes Vermögen rund 70 Milliarden US-Dollar). George Soros, Finanzgenie und einer der bekanntesten Hedge-Fonds Manager wurde berühmt als er 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund fast das Europäische Währungssystem (EWS) zum Einsturz gebracht hätte.
Die Strategie ist damals wie heute die gleiche:
Hedge-Fonds Manager verkaufen durch Leerverkäufe (ein Instrument wonach Devisen und Wertpapiere gekauft werden können, über die der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt noch garnicht verfügt) Staatsanleihen – momentan mit Vorliebe italienische – die sie überhaupt nicht besitzen, sondern sich am Markt ausleihen.
Fallen die Kurse dieser italienischen Staatsanleihen dann wie erwartet, erwerben Hedge-Fonds diese billig am Markt zurück. Die Differenz aus dem Leerverkaufspreis und dem Rückkaufpreis ist dann der Gewinn. Ein lukratives Leihgeschäft.
Trotz der von EU-Binnenmarktkommissars Michel Barnier im Sommer 2010 durchgesetzten Einschränkungen von Leerverkäufen, ist bislang alles beim Alten.
Hedge-Fonds bleiben damit Politikern ein gutes Stück voraus und imstande Märkte zu bewegen.
Nach dem Fall kommunistischer Planwirtschaft und dem Scheitern der „freien“ Marktwirtschaft braucht es neues Denken in der wirtschaftlichen Terminologie.
Jedenfalls: Regeln für Finanztransaktionen!
[1] Crouch, Colin (2011): Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus, Frankfurt.
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