Aufs Erinnern nicht vergessen!

Noch in dieser Periode wird in Wien ein Denkmal für Deserteure errichtet. Ein Vorhaben, das auch im Regierungsübereinkommen festgehalten ist.

Der Opfer der NS-Militärjustiz zu gedenken ist in Österreich alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Obwohl es in jedem Dorf eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Kriege gibt, sucht man nach einem Denkmal für jene, die diese „Pflicht“ nicht erfüllten, vergebens.

Freiheitskämpfer innerhalb der Wehrmacht, Deserteure oder Kriegsdienstverweigerer haben derzeit eine Gedenktafel im Donaupark, wo ich am Nationalfeiertag ihrer gedachte. Dort befand sich während der Nazizeit der Militärschießplatz Kagran, wo zahlreiche Deserteure den Erschießungstod fanden.

Jenen, die meinen, man müsse die Geschichte ruhen lassen, sei frei nach Karl Kraus´ gesagt: „Die Straßen Wiens sind mit Geschichte gepflastert.“

Zuviel ist hier passiert, zu oft wurde hier Geschichte geschrieben, als dass man sie ruhen lassen könnte.  Erinnerung ist ein Schlüsselthema von Kultur, weil nachfolgende Generationen durch sie einmal ihre eigene Kultur entwickeln. Die Stadt hat zur Erinnerungskultur in den letzten Jahren viel beigetragen.

Die Ausstellungen ´Was damals Recht war…´ oder jene über die Verbrechen der Wehrmacht sind Versuche der Stadt, Licht in Geschehnisse zu bringen, die hier einige Jahrzehnte zuvor passierten. In den Grätzeln bildeten sich Initiativen, die Steine der Erinnerung setzten. Und erst im Zuge der Überprüfung der Ehrengräber von 1938-1945 kamen wir darauf, dass es keinerlei Ehrengräber für Juden gab: Erst 2007 wurden so die Grabmäler von 37 jüdischen Persönlichkeiten wie Arthur Schnitzler oder Friedrich Torberg zu Ehrengräbern erklärt.

In diesem Sinn prüft auch eine Kommission rund um Kurt Scholz derzeit Ehrengräber aus der Zeit des Austrofaschismus von 1934-1938 und eine weitere unter der Führung des Zeithistorikers Oliver Rathkolb Wiens Straßennamen. Von über 6.300 Wiener Straßennamen haben ca. 4.200 einen Namensbezug. Diese gilt es auf ihre historische Belastung hin zu überprüfen.

So gab es bereits Vorschläge, das Lueger-Denkmal bei der Wollzeile zu kippen, um die politische Schieflage, mit der man es hier zu tun hat, zu demonstrieren. Und auch die Addresse der Universität ist mit dem Dr. Karl-Lueger-Ring, benannt nach eben demselben antisemitischen Bürgermeister der Jahrhundertwende, entschieden zwiespältig.

Umbenennen fordern die einen, bewussten Umgang die Anderen. Erinnerung ist ein Gedankengang ohne vorgegebenes Ziel. Man wird entscheiden müssen, und das von Fall zu Fall. Um Verbannung von unangenehmen Erinnerung sollte es aber nicht gehen – schließlich wäre das der beste Weg, die Geschichte dieser Stadt zu vergessen.

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