Kultur ist Sinnstiftung und Diskussion(-skultur)

Damit der Mensch dem Menschen kein Wolf ist, wie der englische Staatstheorethiker Hobbes 1651 feststellte, braucht jede Gemeinschaft ein einendes Element.

Was eine Gesellschaft zusammenhält, ist ein gemeinsamer Nenner, eine gemeinsame Identität, die sie zu einem im besten Fall friedlichen sozialen Gefüge werden lassen. Je weiter dieses Element entfernt ist, desto mehr Konflikte scheint mir eine Gesellschaft auch zu haben.

Dies wurde früher durch einfache Muster erfüllt wie Klassen-, Kirchen- oder Parteizugehörigkeit. Diese Orientierungsformen üben heute längst nicht mehr die Kraft als sinnstiftende Elemente von einst aus. Die Menschen verlassen die Kirche in Scharen und auch Parteizugehörigkeit ist für viele nicht die ideale Form politischer Partizipation. Es bleibt zu fragen, wer dieses Loch in der Sinnstiftung füllt? Was sind aktuelle Zugehörigkeiten? Wodurch wird ein gemeinsames Element in der Gesellschaft erzeugt?

Geblieben ist jedenfalls die Kultur, das wohl erste sinnstiftende Element, das seit Menschengedenken existiert. Der Suche nach dieser ureigenen Funktion der Kultur als Brückenbauerin ist auch eine Nebenwirkung von „wien denkt weiter“. Die Wege und Lösungen entstehen im Gehen.

Um beim Thema Migration zu bleiben: In der Stadt gibt es beispielsweise zahlreiche – kontroversielle – Sichtweisen, was Zuwanderung betrifft. Wie können diese teils auseinanderklaffenden Sichtweisen auf einen Nenner gebracht werden? Nur indem man sie miteinander konfrontiert und versucht einander zu verstehen. Auch das kann „wien denkt weiter“ bieten und vielleicht einen kleinen Beitrag zu Sinnstiftung und Diskussion leisten: Eine Diskursfläche und das Aufzeigen von Narrativen und Bildern der Stadt.

Verständnis und Diskurs ist aber nur dort zu erreichen, wo es auch den Ort dafür, wo man sich treffen kann um sich auszutauschen – sei es im Internet oder einem Café.

„Wien denkt weiter“ ist so eine gemeinsame Suche, mit offenem Ausgang, zu der alle Interessierten WienerInnen eingeladen sind. Somit ist es auch ein Partizipationsprojekt am gesellschaftlichen Diskurs, dass jedenfalls auch zu unserer demokratischen Kultur gehört!

Denn: Was Kommunikation nicht ausfüllt, schließt das Vorurteil!

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