Mehr als Sissi und Philharmoniker – sound:frame auf der EXPO
sound:frame war von der Stadt Wien eingeladen, am Österreichtag (21. Mai 2010) im Zuge der EXPO in Shanghai im Österreichpavillon eine junge künstlerische Seite von Wien zu präsentieren.
So wie die aufgemascherlten Blasmusikkapellen am Nachmittag und die im Pavillon umher stolzierende Sissi war auch unsere Abendshow ein wahres Kuriosum für die hauptsächlich chinesischen BesucherInnen. Wir hatten uns auf der Bühne des Pavillons aufgebaut mit depart, luma.launisch und super u an der visuellen Panoramaprojektion, Zanshin als DJ und Mirre M am Improgesang und starteten vor einem vollen Pavillon und einem Publikum voller Erwartungen. Alle waren gespannt, die Stimmung war toll! Zu Beginn der Show brach ein wahres Blitzlichtgewitter über uns herein. Doch nach etwa einer Viertelstunde merkte man auch schon die Eile, die einige der ZuseherInnen hatten, um noch möglichst viele andere Pavillons anderer Länder der Welt zu Gesicht zu bekommen. Und plötzlich war der Pavillon halb leer. Bis der nächste Schwall an Menschen eintrat. Beizeiten wurde ausgelassen getanzt, wie in China bekanntermaßen üblich noch weitaus mehr fotografiert und viel gestaunt.
Chinesische und japanische Freunde von uns – DJs und Veranstalter – waren hingegen gekommen um zu bleiben und über den Abend hinweg hatten wir neben den durchströmenden BesucherInnenmassen auch eine solide tanzende und interessierte Fangemeinde gewonnen. Es gab viel zu reden, viele Menschen kennenzulernen und wir wurden schließlich von unseren Bekannten eingeladen, ein paar Tage später in der benachbarten Stadt Hangzhou ein zweites Mal aufzutreten. Wir freuen uns darauf, uns mit einer Gegeneinladung nach Wien revanchieren zu können.
Die China Reise war ein tolles Erlebnis und wir sind um kleines Stück Netzwerk reicher nach Hause gekommen. Vor allem haben wir einen Teil von Österreich, einen Teil von Wien nach China gebracht. Der Kulturaustausch und vor allem die Gewissheit, sich gegenseitig so viel Neues zeigen und beibringen zu können, war kaum wo anders davor so stark zu spüren wie in Shanghai.
Austausch findet ein jedes Mal statt, wenn man sich mit seinem Projekt auf die Reise gibt. Er befruchtet und lässt neue Ideen spinnen.
Neben der notwendigen finanziellen Unterstützung ist es daher wichtig, dass die Kulturpolitik der Stadt Wien international für seine Vielfalt einsteht, und auch zeitgenössische Kunst sichtbar macht und weitervermittelt. Wien kann stolz sein – auf seine Tradition, ebenso wie auf seine junge Seite. Österreich besteht nicht nur aus Sissi, Blasmusikkapellen, den Philharmonikern oder der Sachertorte. Österreich und Wien können sich in der Welt vielmehr auch mit ihrer aktuellen Kunst und Kultur sehen lassen.
Der Bund bietet einige Programme an, die KünstlerInnen aller Sparten dabei unterstützen, Projekte im Ausland umzusetzen. Die Stadt Wien tut das kaum, und wenn nicht genug Gelder vorhanden sind, um jungen Projekten und KünstlerInnen lokal ihr Überleben zu sichern, ist ein Födersystem für deren internationale Projekte auch dementsprechend illusionistisch. Programme seitens der EU richten sich hauptsächlich an erfahrene und etablierte Projekte (Festivals zb. erst ab dem fünften Jahr) und sind oft mit einem unstemmbaren Bürokratie- und Arbeitsaufwand verbunden.
Und so kann es auch nicht immer ausschließlich um Förderprogramme gehen. Die Stadt Wien könnte jungen Projekten vor allem auch durch deren Weitervermittlung unterstützen. Oft benötigt es zu Beginn einen stärkeren Partner, der eine Empfehlung ausspricht. Es gäbe viele Möglichkeiten, als Wiener KünstlerIn, oder Kunstprojekt, seine Konzepte in anderen Ländern zu realisieren. Doch wie entscheiden beispielsweise die österreichischen Kulturinstitute dieser Welt, welche Projekte und KünstlerInnen sie einladen? Gibt es regelmäßige Empfehlungen von Seiten der Stadt Wien?
Wien kann sich noch viel mehr trauen, neben den traditionellen und klassischen Klischees der Repräsentation Platz für seine junge und neue Seite einzurichten und seine junge Kunstszene bei der internationalen Vernetzung zu unterstützen.
- Alle Beiträge von Eva Fischer
Im Wiener 3/4 Takt wiederholen sich Forderungen und Versprechen in der Kunst- und Kulturpolitik: Dialog, Transparenz, Innovation, „nicht mehr Chef Sache“ … und früher ist nicht etwa nur schon ähnliches gefordert und versprochen worden, früher wurde auch schon geredet, nicht öffentlich diskutiert aber zumindest referiert: http://kulturpolitik.t0.or.at/ sei ein Beispiel. Egal. Noch mal von vorne. Diesmal müssen ja andere Verantwortliche auf die Presse Fotos. Wien denkt wieder.
Gut. Macht man sich den Umstand bewusst, dass diese immer gleichen Forderungen (inklusive ihrer rudimentären zeitlichen Trends, Verwaltungsumstände ad acta gelegt) schon damals nicht zur Praxis wurden, sollte einem langsam klar werden, dass es wohl neue Ansätze brauchen wird. Deshalb sind Fragen und Ideen wie im obigen Beitrag gefragt. Weitervermittlung seitens der Stadt Wien ist eine sehr gute Idee zur besseren Unterstützung junger Kunstprojekte, denn weder die Höhe von Fördergeldern, Fördervergabe noch Verwaltung werden sich so schnell, wie junge Projekte sterben, ändern können. Sie bei Vernetzung und Kommunikation zu unterstützen, wäre sicher eine sehr gute Hilfestellung (abgesehen von dem eindeutig einhergehenden Eigennutzen in Sachen internationales „Image“ Wiens). Gut, „denken wir gleich weiter“:
Wie kann so etwas aussehen? Ein gutes Beispiel für solch eine Unterstützung im weitesten Sinne ist departure mit seinem Look Book, in dem es die geförderten Projekte eines jeden Jahres vorstellt. Hier könnte sich die Kulturabteilung der Stadt Wien etwas abschauen, und zum Beispiel so etwas wie eine Art online Format des ‘Wien Kultur look books’ präsentieren. Die Wirtschaftsförderer im Bereich Creative Industries scheinen einfach immer einen Schritt voraus..
Wie hier die bestehenden Strukturen aussehen, würde auch mich brennend interessieren!
Das “Wien Kultur Look Book” gibt es hier zu bestellen
https://www.wien.gv.at/wienatshop/Gast_bestellservice/Start.aspx?Artikel=137870
Und eine Online-Fassung der Projekte, die in dem Buch vorgestellt werden gibts hier: http://www.pipifaxressort.at
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