Soll Wien New York werden?

In New York ist es selbstverständlich, dass Immigration und kulturelle Vielfalt als Reichtum und Chance begriffen werden. Schon bei der Ankunft wird man überall darauf aufmerksam gemacht, dass in dieser Stadt mehr 1000 Sprachen gesprochen werden. Die Attraktivität dieser Stadt kommt aus diesem Schmelztiegel, der auch das Wort „Fusion“ geprägt hat.

Mehr als die Hälfte der acht Millionen New Yorker sind nicht in den USA geboren. Viele bleiben nur ein paar Jahre, machen Geld und ziehen weiter. In den USA sind die insgesamt etwa 12 Millionen illegalen Einwanderer mittlerweile ein Politikum geworden; ihre Legalisierung sowie die zukünftige Regulierung der Immigration sind die nächsten Aufgaben für die Barack Obama und die US-Gesetzgebung.

Was kann Kulturpolitik dazu beitragen ?

Auch in New York ist Kulturpolitik Gesellschaftspolitik. Die Stadt nimmt daher besonders Bedacht auf Anträge/Programme, die unterversorgte Bevölkerungsschichten integrieren, kulturelle Gemeinschaften stärken, niedrige Eintrittspreise bzw. Niederschwelligkeit fördern oder sogar freien Eintritt ermöglichen. Öffentliche Schulen und soziale Einrichtungen stehen ganz oben auf den Förderrichtlinien.

Dabei sind die etwa ca. 150 Millionen US Dollar, die jährlich für Programmsubventionierung zur Verfügung stehen, sowie die ca. 200 Millionen, die für Kapitalinvestitionen für Institutionen ausgegeben werden, auch für europäische Verhältnisse nicht schlecht.

Wichtiger jedoch als die modernen – auf Private Public Partnership – angelegten Förderinstrumente ist jedoch die Grundhaltung: jede Sprache, Religion, kulturelle Minderheit wird wie ein Edelstein in einem Mosaik gepflegt. Integration erfolgt über den „American Dream“ und die Rechtsordnung: Fast alle machen mit, da Toleranz ein entscheidender Teil des Vertrages ist.

Wien und New York waren diesbezüglich um 1900 in einer ähnlichen Lage. Und auch Wien wurde damals ein Epizentrum der künstlerischen und wissenschaftlichen Moderne.

Fast Forward: Wien sollte wieder anders werden: die bosnische Krankenschwester, der türkische Müllfahrer, der indische Arzt aber auch die Kulturschaffenden aus allen Ländern der Welt. Längst wissen wir, dass unser Wohlstand auch von Zuwanderung abhängt. Wien braucht sowohl die Hausordnung, als auch den Wunsch nach ethnischer, kultureller und auch religiöser Vielfalt.

Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik. Auch in Wien.

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