Das Außergewöhnliche stärken
Die meisten kulturellen Institutionen sind in Wien ordentlich dotiert. Nicht in allen europäischen Großstädten ist das so. Diese Verlässlichkeit, die einigermaßen sicheres Planen erlaubt, ermöglicht „kulturelle Grundversorgung“ auf gutem Niveau und ziemlich viel Output mit AA-Rating. Aber reicht dieses System, um auch Außergewöhnliches (damit meine ich: Exzellentes und Pionierhaftes, das es im „Regelbetrieb“ nicht gibt bzw. mit dem auf künftige Situationen reagiert wird) auf den Weg zu bringen? Gibt es so etwas wie die Gefahr einer „Pragmatisierung der Institutionen“? Stabile und berechenbare Rahmenbedingungen können, wenn die Herausforderungen fehlen, auch Selbstgenügsamkeit und kreativen Stillstand zur Folge haben. Verlässliche Dotierung sollte deshalb stärker mit konkreten Aufträgen und Bewertungen verbunden sein.
Routiniertes Abwickeln auf Grundlage sicherer Ressourcen trägt immer auch den Kern von Ungerechtigkeit, Nivellierung und Frustration in sich: Denn auch Institutionen, die sich um Außergewöhnliches bemühen und in ihrer „Normalarbeit“ Exzellentes auf internationalem Niveau zustande bringen, sind gefangen in diesem System der Fortschreibung von Rahmenbedingungen. Kontraproduktiv ist beispielsweise, wenn die Kulturverwaltung nach dem Prinzip handelt, dass Institutionen mit „ausreichender“ Basisdotierung in der Regel keine Zusatzmittel für innovative Sonderprojekte, die ihre Möglichkeiten überschreiten, erhalten sollen. Alle hocken in ihrem Einfamilienhäuschen und machen im vorgegebenen Rahmen brav ihr Ding. Es besteht die Gefahr, auf hohem Niveau einzurosten.
Wie könnte man in einem so ausdifferenzierten und statischen System das Außergewöhnliche stärken? Z.B. durch Etablierung eines unabhängigen Fonds oder einer Intendanz mit Blick auf den gesamten kulturellen Output, dem ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um über den Normalbetrieb hinaus (also ergänzend zur kulturellen Basisversorgung) Akzente zu setzen. Wir haben in der Nachdenkrunde „wien denkt weiter“ wiederholt über Instrumentarien wie die deutsche Bundeskulturstiftung gesprochen, die relativ wenige Projekte sehr intensiv fördert. Dadurch werden langfristige (und dann wieder beendete) spartenübergreifende Vorhaben ebenso ermöglicht wie zum Beispiel die Kunstbiennale Berlin, die außerhalb der „normalen“ Förderlandschaft steht. Ich erinnere mich auch, wie viel Frischluft die unter Scholten erfundenen „Bundeskuratoren“ in die Kunstszene brachten. Entscheidend ist, dass innovative und außergewöhnliche (auch riskante) Projekte größerer Dimension initiiert werden sollen. In Wien könnte da durchaus auf den vorhandenen Potenzialen der gut ausgestatteten Institutionen aufgebaut werden – sofern diese den Elan haben, über ihre Pflichten hinaus starke Ideen und Modelle zu entwickeln. Ohne eine Art „Prämiensystem“ wird das nicht gehen.
- Alle Beiträge von Wolfgang Kos
oh… das hört sich ja schon stark nach prämien orientierten fördermodellen an… auch wenn die intention stillstand aufzubrechen ja eine ganz nette ist – darf nie vergessen werden das die spö (die ja hinter dieser plattform steht) – selbst für diesen verantwortlich ist
und das mit prekär klingenden fördermodellen zu beantworten wirkt seltsam
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