Kein Platz in Wien

Wien ist der Prototyp einer westlichen Stadt, in der jede Fläche ihre Bestimmung hat, Freiräume und Niemandsland rar sind, in der Überreglementierung, Institutionalisierung und kommerzielle Nutzung Spontaneität und Lebensräume für alternative Lebensformen minimieren. So landen viele, junge, ausgehhungrige Menschen im Museumsquartier, sitzen auf Stein und Kunststoff, und trinken überteuertes Bier.

Es ist schwierig, in Wien alternativen Lebensentwürfen nachzugehen, kreative Raumnutzungen zu betreiben und kurzfristige Freiräume nutzen. Was in Städten wie Berlin, Kopenhagen, Amsterdam (noch) völlig normal ist, gilt in Wien als Ausnahme.

Die Architektur einer Stadt spiegelt und beeinflusst das Lebensgefühl. Kultur abseits repräsentativer “Hochkultur” braucht auch Freiflächen, Raum für Experimente und Neues.

Aber wie lässt sich Subkultur fördern? Durch das Zulassen von Leerstellen. Jeder künstlerische Prozess, beginnt mit Leere, trägt das Scheitern in sich. Ohne Risiko ist eine Förderung von unangepassten Kunstschaffenden nicht möglich. Es gibt die politischen Künstler, nach denen wir suchen. Sie entsprechen nur oft nicht den von Kuratoren und Institutionen geprägten Kunstauffassungen.

Ob Lebensfom oder Kunstform: Wien sollte sich wieder mal überraschen lassen, denn das Neue entsteht selten dort, wo man es erwartet: Neugier, Unvoreingenommenheit eine Lockerung behördlicher Zwänge sowie ein offensiver Umgang mit Angstmachern und Schrebergartengemütern helfen!

Bewerten:
frau jungs
  • 01. Juni 2010
  • 17:34

was haben die ausgehhungrigen gäste des mq hofes, der mit kultur bekanntlich nichts zu tun hat (siehe die aktuellen enzis) mit alternativen lebensentwürfen zu tun?
was heißt “noch” bei der aufzählung anderer städte? gibts da hinweise? hat der autor kontakte zur politik in deutschland, holland und darüber hinaus?

ich denke der text ist pro leerstellen nutzung gemeint. gelungen ist er aber wirklich nicht!
ein bisi differenzierteres hintergrundwissen sollte man schon von den ausgewählten bloggerInnen erwarten dürfen, oder?

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Jasmin Peralta Otero
  • 02. Juni 2010
  • 7:58

Wir haben im Baustellengelände des ehemaligen Südbahnhofs ein riesiges freies Areal, dass temporär sicher für Baustellenkunstaktionen genützt werden könnte.

Mich schmerzt die Verbauung freien Geländes in der Stadt auch. Zuletzt die Aspanggründe, die ich als reiche Pflanzen und Tiervielfalt schätzen gelernt habe. Gstetten sind Plätze, in denen der Nutzen noch nicht vorgegeben ist, die zur freien Entfaltung einladen. Jetzt sind die Aspanggründe bald auch nur mehr ein Teil mehr oder weniger langweiliger Bürokomplexe. Gerade, dass um den ehemaligen Aspangbahnhof, von dem die Deportationen in Wien wegführten, brach lag, war lange Zeit der symbolischste Gedenkstein dieses Viertels. Das kleine Gedenktaferl abseits ist dagegen eher beschämend.

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Ferdinand Griesgram
  • 02. Juni 2010
  • 16:02

“Das zulassen von Leerstellen”…

Ich würde meinen, dass hier eher das nutzen von städtischen Immobilienleerständen für Kulturinitiativen, VeranstalterInnen etc. gefragt ist.

Insofern scheint mir der erlesene Kreis der ManifesterstellerInnen wohl ein bisschen zu eng. Und ich wundere mich, dass die IG Kultur Wien, die seit Jahren an diesem Thema dran ist, und deren Forderungen diesbezüglich im besten Fall gerade einmal ignoriert werden – auch von Seiten des Kulturstadtrates – in diesem Prozess nicht eingebunden war. Ok, ich gebs zu, es wundert mich nicht wirklich. Aber sich ein halbes Jahr vor der Wahl progressiv zu geben, und Dinge zu formulieren, die seit Jahren von der Politik unbearbeitet Manifest sind ist wohl ein bisschen gar billig.

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Andreas Mailath-Pokorny
  • 05. Juni 2010
  • 17:18

Hidden due to low comment rating. Click here to see.

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Jasmin Peralta Otero
  • 06. Juni 2010
  • 8:47

Bezüglich “Leer” fällt mir tagtäglich das ehemailige Motorola Gebäude am Standort des ehemailigen Palais Lanckoroński rechts neben dem Belvedere auf, das seit Jahren leer und ungenützt am Gürtel Ecke Jacquingasse steht. Der Bau in seiner 60er Jahre Architektur (Arch. Lippert) gefällt mir optisch eigentlich ganz gut. Das gleich daneben rund um den Südbahnhof jetzt neue Bürokomplexe entstehen, wo dieser Bau scheinbar seit Jahren keine Mieter findet (anders kann ich es mir zumindest nicht erklären), ist mir unverständlich.
Jedesmal, wenn ich dran vorbei gehe, frage ich mich, wieso es – wie in Zürich z.B. – nicht einfach zur Nutzung freigegeben werden kann. Oder ob es – wenn wir schon ein neues Wien Museum brauchen(?) – nicht dafür genützt werden sollte. Die Lage neben Belvedere und künftigen Hauptbahnhof wäre doch ideal.

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Volker Schmidt
  • 06. Juni 2010
  • 14:41

@ frau jungs. wie ich in meinem kurzen blog dargelegt habe, besteht eben kein zusammenhang zwischen mq-hof-besuchern und alternativen lebensentwürfen. doch selbst gestaltete freiräume, zwischennutzungen, etc. können genau diese verbindung herstellen, indem sie ausgeh-, kulturangebot und alternative lebens- und arbeitsformen verbinden.
zu den genannten städten seien folgende beispiele nachgereicht:
berlin hat aufgrund seiner jüngeren stadtgeschichte ein übermaß ein freiflächen, die teilweise alternativ genutzt werden, jedoch auch durch spekulation und kommerzielle nutzung bedroht werden, z. B. das freie spreeufer in friedrichshein-kreuzberg mit seinen bars, das durch mediaspree bedroht ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Mediaspree, http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/erste-freiflaeche-geentert/). stromaufwärts findet sich die bar25, die ausgehen, kultur und autonom gestaltete lebensformen verbindet http://www.bar25.de, (und ebenfalls von der schließung bedroht ist)
in amsterdam werden solche „brutplätze“ von der stadtpolitik aktiv gefördert und unterstützt http://bureaubroedplaatsen.amsterdam.nl/en/
in Kopenhagen gibt es seit anfang der siebziger die freistadt christiania, ebenfalls freiraum für alternative lebensformen, der bis heute existiert. http://www.christiania.org/, http://de.wikipedia.org/wiki/Freistadt_Christiania

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Kulturarbeiter*in
  • 14. Juni 2010
  • 0:19

vergessen werden – wie so oft – die freiräume die bereits existieren – und keineswegs von der stadt wien in welcher form auch immer gefördert werden – i:da / ekh / 1bm / kaleidoskop / vekks / amerlinghaus / fz / und einige mehr …
… diese räume müssen eher regelmäßig kämpfen!
und besetzungen wie von gruppen wie freiraum oder hausprojekt ausgehend werden meist binnen kurzer zeit (und auch das liegt oft an der stadt wien) geräumt

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Mut - tut - gut
  • 06. Juli 2010
  • 1:34

… und wiedereinmal tut sich in der toten “Weltstadt” Wien ein wenig!
junge Menschen – interessiert an Kunst – Kultur und sozialen zusammenleben haben sich ein Haus (das leer steht) angeeignet.
bleibt wiedereinmal abzuwarten ob u.a. die großen töne des Herrn Mailath & co (Stichwort “Brutplätze”) verklingen ohne die Chance zu nutzen und hier ein lebendiges und innovatives Projekt zu fördern.
-> http://www.youtube.com/watch?v=rssndFJkvlg&feature=player_embedded

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